|
Nationalpark |
Vom Spiel mit dem Wind |
|
Liebe Drachenfreundinnen und Drachenfreunde! Wasser, Wind und weites Land - das ist die niedersächsische Nordseeküste mit ihren Inseln. Ein Eldorado für alle, die sich gerne in der freien Natur bewegen. Geradezu ideal erscheint diese Natur den Anhängern des Drachensports; große zusammenhängende Flächen, unbebaut und unbewaldet, finden sie hier zur Genüge, und fast immer bläst ein kräftiger Wind. In jeder Saison kosten mehr Anhänger des Drachensports das Spiel mit dem Wind und den pfeilschnellen, eleganten Fliegern aus. Insbesondere entwickelt sich das Steuern von Lenkdrachen mittlerweile zum Breitensport. |
Lenkdrachen - ein Spiel ohne Grenzen? Naturfreunde und Vogelschützer beobachten derweil besorgt die Störungen der Tierwelt - insbesondere der Vögel-, die von dieser Sportart ausgehen können. Drachensportler beanspruchen genau die Flächen -windexponiert und frei von Bäumen und Hochspannungsleitungen-, die bevorzugte Lebensräume, Rast-, Nahrungs- und Brutgebiete unserer Küstenvögel darstellen. Selbstverständlich wollen die Drachenlenker durch iheren Sport die NAtur nicht beeinträchtigen. Meist wird respektiert, daß in Ruhezonen und Zwischenzonen des Nationalparks der Naturschutz Vorrang hat. So lassen sie ihre Flieger vom Deich aus oder in der Erholungszone in die Lüfte steigen. Für den Laien, der sich um Naturschutz bemüht, ist es schwer zu verstehen oder festzustellen, daß die Vögel trotzdem durch die Drachen gestört werden können. Auch erholungssuchende Mitmenschen fühlen sich häufig durch die lautstarken, rasanten Himmelsflitzer belästigt oder sogar gefährdet. Lenkdrachen - aus der 'Vogelperspektive' betrachtetVögel nehmen die Sportgeräte als übernatürliche Greifvögel wahr, die sich dazu noch extrem schnell horizontal und vertikal bewegen und dabei Gräusche erzeugen, die bis zu 500 m weit wahrzunehmen sind. Die Vögel sind gestreßt -sie nehmen Reißaus oder gehen sofort in Deckung. Der Laie erkennt aus der Ferne nur einen großen Vogelschwarm, der sich fluchtartig in die Luft erhebt. Die Vögel, die sich in ihrer Panik vor dem vermeintlichen Feind am Boden verstecken, sind vom entfernten Beobachter nicht wahrzunehmen. Erst wissenschaftliche Untersuchungen belegen die zunächst unsichtbaren, fatalen Folgen: egal, ob Flucht oder Verstecken- die Vögel können nicht Fressen, leiden unter Streß, verlassen ihre Nester oder Jungen- Unterernährung, mangelnde Vitalität und fehlende Nachkommenschaft sind die Konsequenz. Duch die lange Drachenschnur kommt es zu 'Luftraumverletzungen' über den Schutzzonen des Nationalparks, in denen Natur und Landschaft ungestört sein sollen. Die Fluggeräte stehen hoch in der Luft und decken einen entsprechenden Halbkreisradius rings um den Standpunkt des Drachenlenkers ab. Dabei läßt es sich nicht vermeiden, daß die Drachen auch Vögel stören, die in Ruhe- und Zwischenzonen rasten, fressen oder brüten und von dort aus den 'Feind' am Himmel wahrnehmen, auch wenn der Drachenlenker außerhalb des jeweiligen Schutzgebietes steht. Kein Platz mehr für Drachen ...?Natürlich will niemand den Drachensport grundsätzlich verbieten. Es gibt viele Sportarten, die in der freien Natur ausgeübt werden. Bisher ist es immer noch gelungen in Zusammenarbeit zwischen Experten für Sport und für Naturschutz Lösungen zu finden, die beiden Ansprüchen gerecht werden. Nicht nur in der Erholungszone, auch im Binnenland hinter den Deichen ist noch genügend Wind, um den pfeilschnellen Fliegern Auftrieb zu verleihen. Einige Gemeinden, Landkreise und Interessenvertreter des Sports sind bereits gemeinsam darum bemüht, geeignete, naturverträgliche Flächen für den Drachensport ausfindig zu machen. Erkundigen Sie sich bei Gemeinde- und Kurverwaltungen nach entsprechenden Flächen in der Nähe Ihres Urlaubs- oder Wohnortes. Auch in Sportgeschäften erhalten Sie möglicherweise eine entsprechende Auskunft. Ansonsten können Sie duch Ihre Anfrage bei der Gemeinde vielleicht den Anstoß zur Ausweisung eines Drachenflugplatzes geben. Dort können Sie sich an Ihrem Sport erfreuen ohne Gefahr, die Tierwelt zu stören und damit unter Umständen gegen Rechtsvorschriften zum Naturschutz zu verstoßen.
Die Aufsichtsbehörden sind ebenso wenig wie die Sportler daran interessiert, das Problem über Rechtsvorschriften oder Bußgelder zu 'lösen'. So kann nur immer wieder an Sport- und Naturfreunde appelliert werden: Sportler, seid fair zur Natur! |
|
[zurück zur Übersicht]
[Zahlen] [Schutzzonen] [Verhalten] [Wassersportler] [Hundehalter] [Drachenpiloten]
[Wattenmeer] [Salzwiesen] [Dünen] [Tierwelt] [Mellum] [Minsener Oog] [Informationszentren] [Nationalparkverwaltung]