Nationalpark
Niedersächsisches
Wattenmeer

Seehunde und Schweinswale im Wattenmeer

Liebe Besucherinnen und Besucher!

Unser Ziel ist es, die Tiere und Pflanzen im Nationalpark zu schüten und zu erhalten, ohne den Menschen aus diesem einzigartigen Lebensraum auszuschließen. Doch zur Erhaltung gehört, daß die Tiere nicht beeinflußt oder gestört werden. Deshalb möchten wir Ihnen ein paar Verhaltensweisen der Seehunde und Wale erläutern und Ihnen zeigen, wie Sie den Tieren 'helfen' können.

Das Leben des Seehundes im Wattenmeer

Im Sommer treffen sich die Seehunde auf Sandbänken im Wattenmeer, um Junge zu gebären, sie zu säugen, sich zu paaren und ihr Fell zu wechseln. Dazu brauchen sie viel Ruhe! Im Wasser sind diese Tiere gewandt und schnell beweglich, an Land jedoch sind sie eher plump und unbeholfen. Darum flüchten sie ins Wasser, wenn sie gestört werden.

Im Juni und Juli werden die Jungen bei Ebbe auf der Sandbank geboren. Schon bei der nächsten Flut folgt das Junge seiner Mutter ins Wasser. Gesäugt werden sie nur bei Niedrigwasser auf der Sandbank, in mehreren kleinen Portionen. Während der kurzen Säugezeit müssen sich die Kleinen schnell ein Fettpolster antrinken. Dieses chützt sie vor dem kalten Nordseewasser und dient als Notreserve, wenn sich die Mutter -bereits nach sechs bis acht Wochen- von ihnen trennt.

Zu diesem Zeitpunkt sollte der junge seehund ein Gewicht von etwa 30 kg haben. Nach der Entwöhnung ernährt er sich zunächst hauptsächlich von Garnelen ('Granat'), später von Grundeln und anderen Kleinfischen und im Alter von Flundern und Schollen.

Ein ausgewachsener Seehund wird bis zu 1,70 m lang und bis zu 100 kg schwer.

Übrigens: 1995 wurden im Niedersächsischen Wattenmee 3214 seehunde gezählt. Davon waren etwa 600 in diesem Jahr geborene Jungtiere.

Störungen und ihre Folgen

Seehunde haben hier im Wattenmeer keine natürlichen Feinde. Entsprechend empfindlich reagieren sie auf Menschen, die in ihren vermeintlich sicheren Lebensraum eindringen. Dies hat vor allem für Jungtiere fatale Folgen:

Durch die Störung wird die (ohnehin begrenzte) Säugezeit verkürzt. Je häufiger die Tiere gestört werden, umso größer ist die Gefahr einer lebensgefährlichen Unterernährung.

Auf der Flucht in das rettende Wasser robben sie über den rauhen Sand und können sich die unvollständig verheilte Nabelwunde wieder aufreißen, woduch tödlich verlaufende Nabelentzündungen entstehen können. 25% der Seehunde im Wattenmeer verenden schon im ersten Lebensjahr, was mit auf den Einfluß des Menschen zurückzuführen ist.

Wenn das Kind von der Mutter getrennt wird -ob duch eine Störung oder weil sie auf der Jagd ist- stößt es 'Klagelaute' aus. Diese Laute benutzt der 'Heuler', um mit der Mutter in kontakt zu bleiben. Grundsätzlich gilt: Heuler nicht anfassen! Falsch verstandene Tirliebe ist es, das Tier zu streicheln oder mitzunehmen. Belassen Sie das Tier am Fundort und halten Sie einen großen Abstand ( mind. 500 m) ein., damit die Mutter ihr Kind wiederfinden kann. Melden Sie den Fundort an eine der folgenden Personen oder Einrichtungen, die für Sie vor Ort am schnellsten erreichbar ist:

+ Nationalpark-Einrichtungen
+ Jagdaufseher
+ Wasserschutzpolizei
+ Gemeinde- oder Kurverwaltungen
+ Seehundaufzucht- und Forschungsstation, Dörpener Weg 22, 26506 Norden, Tel. 04931-8919

Die meisten Seehundbabies, die in Aufzuchtstationen aufgepäppelt werden, bedurften eigentlich keiner menschlichen Hilfe. Wenn sie später in die freie Wildbahn entlassen werden, besteht unter anderem die Gefahr, daß ihnen bestimmte soziale Verhaltensweisen fehlen.

Wale im Wattenmeer ... ?!

... gibt es tatsächlich! Der Schweinswal (auch kleiner Tümmler genannt) ist regelmässig zwischen der Küste und den Inseln zu beobachten.

Mit einer Länge von maximal 180 cm und einem Gewicht von 70 kg ist er einer der kleinsten Wale. Er ernährt sich hauptsächlich von fetten Fischen wie Hering und Makrele. Schweinswale wandern im Sommer in die Nähe der Küste, um hier zu gebären und sich zu paaren.

Das bis zu 90 cm große Kalb kommt mit dem Schwanz voran zur Welt. Da der Kopf zuletzt erscheint, kann es gleich zur Oberfläche schwimmen und atmen. Die Mutter spritzt beim Säugen die fetthaltige Milch in den Mund, damit es kein Wasser schlucken muß (Der Wal'fisch' ist ja nun mal kein Fisch, sondern ein Säugetier).

Schweinswale sind sehr schreckhaft und scheu!
Wie alle Zahnwale orientieren sie sich akustisch über Ultraschall-Laute. Sie werden besonders durch Motorbootlärm gestört.

Belastungen der Seehunde und Wale

Die Fischerei ist eine großer Konkurrenz bei der Nahrungssuche. Zudem können Wale in die Netze geraten, sich daran verletzen oder sogar darin verenden.

Wasserverschmutzung: weil die großen Säugetiere am Ende einer langen Nahrungskette stehen, reichern sich in ihnen Schadstoffe an. Die Schadstoffe gelangen aus Haushalt, Industrie und Schiffahrt in die Nordsee und werden von den Tieren aufgenommen, die wiederum den Seehunden als Nahrung dienen.

Parasiten: die Tiere sind oft von verschiedenen Parasiten befallen, was allerdings ein gesundes Tier nicht beeinträchtigen muß.

Weil Seehund und Wale duch diese Faktoren bereits gestreßt sind, sollten Sie die Tiere schonen und ihre Fluchtdistanz (=Sicherheitsabstand) von 500 m respektieren.

Darum ein Appell an alle Tierfreunde!

Abstand halten: halten Sie bitte einen Mindestabstand von 500 m ein. Beobachten Sie mit dem Fernglas aus der Ferne! Seehunde fühlen sich schnell gestört. Zunächst heben sie den Kopf, dann 'winken' sie zur Abwehr mit der Flosse; die Flucht ist erst das letzte Mittel um der Störung auszuweichen. Wenn Sie Seehunde 'hautnah' erleben wollen, besuchen Sie die Seehund-Aufzuchtstation in Norddeich oder das Seewasseraquarium in Wilhelmshaven.

Beachten Sie die Befahrensregelung des Bundesverkehrsministers für Nationalparks im Bereich der Nordsee.

Es ist verboten, Surfbretter und Boote in der Nähe von Seehundsbänken oder direkt dort trockenfallen zu lassen oder dort zu ankern und herumzulaufen.

Duch den Lärm und die Schnelligkeit von Motorbooten können die Tiere besonders leicht in Panik versetzt werden. Halten Sie Abstand und machen Sie keine 'Jagd' auf die Tiere.

Seehunde können auch bei 'Fahrten zu den Seehundbänken' gestört werden. Befolgen sie die Anweisungen des Kapitäns zur Ruhe. Bringen sie für die genaue Beobachtung ein Fernglas mit.

Schließen Sie sich geführten Wattwanderungen an - auch zu Ihrer eigernen Sicherheit!

Zu Hause sollten Sie die Seehunde nicht vergessen: über die Flüsse gelangt Ihr häusliches Abwasser in die Nordsee - dort ist der Seehund in seinem Element. Halten Sie das Wasser sauber.

Wenn Sie ein totes oder verletztes Tier finden: Keinesfalls anfassen! Das Mitnehmen von Heulern verstößt gegen geltendes Recht - es ist Wilderei! Melden Sie derartige Beobachtungen an eine der Nationalpark-Einrichtungen


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Alle Informationen entstammen diversen Publikationen der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.
Die Veröffentlichung auf diesen Seiten erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Nationalparkverwaltung.