Nationalpark
Niedersächsisches
Wattenmeer

Das Watt - ein ganz besonderer Lebensraum

Liebe Wattwanderinnen, liebe Wattwanderer!
Das Wattenmeer umfaßt mehrere Lebensräume. Das eigentliche Watt nimmt zwei Drittel des gesamten Wattenmeeres ein; daneben gibt es z.B. Salzwiesen und Dünen.

Die große graue Weite, die sich bei ablaufendem Wasser zeigt, hat mehr zu bieten als Sand, Schlick und Priele. Diese Seite soll Ihnen zeigen, worin der Reichtum des Watts besteht und wer ihn nutzt.

Das Watt - ein ganz besonderer Lebensraum !

Der Begriff 'Watt' enstammt dem altfriesischen Wort 'wad' = seicht, untief; er steht auch für Gebiete, in denen man waten kann. "Die Beständigkeit des Watts ist sein Wandel". Das Zeigt sich am periodischen Wechsel der Gezeiten. Zweimal täglich überschwemmt das Nordseewasser die Wattflächen, um sich anschließend wieder zurückzuziehen. Den Zeitraum des auflaufenden Wassers nennt man Flut, den des ablaufenden Wassers Ebbe; der Zeitpunkt des höchsten Wasserstandes heißt Hochwasser, der des tiefsten Wasserstandes Niedrigwasser. Die Gezeiten werden durch das Zusammenwirken von Sonne, Erde und Mond ausgelöst.

Wattflächen bilden sich dort, wo vorgelagerte Inseln, Sandbänke und flach auslaufender Meeresboden die Kraft von Wellen und Strömung abbremsen. Hier können vom Meer und aus den Flüssen herangetragener Sand und Schlick zu Boden sinken. Schwere Bestandteile setzen sich bereits in bewegterem Wasser ab: Es entsteht Sandwatt. Näher zur Küste wird der Boden noch flacher und das Wasser noch ruhiger: es folgt das Mischwatt mit Sand, Ton und organischen Bestandteilen. Direkt vor dem Deich und besonders in ruhigen Buchten bildet sich schließlich feines Schlickwatt mit einem hohen Anteil organischer Substanz.

Das Watt lebt !

Um in diesem Lebensraum heimisch zu werden, haben Tiere und Pflanzen ganz spezielle Strategien entwickelt. Die ersten Lebenszeichen auf dem Weg ins Watt lassen sich mit den Füßen ertasten: Bräunlich-glitschig überziehen Mikroalgen den Wattboden. Das sind einzellige Pflanzen, die sich von Mineralstoffen ernähren. Dabei erzeugen sie kleine Sauerstoffbläschen im Wasser. Bei Überflutung können sie sich unter die Wattoberfläche zurückziehen und dort überdauern.

Wären die Algen nicht, gäbe es kein Schlickwatt, denn sie verkitten die Sedimente mit ihrem Schleim. Sie stellen den "Weidegrund" für die nächsten Glieder der Nahrungskette dar. Wir begegnen bandförmigen Spuren, ein Hinweis auf die "Weidegänger"! Breite Bänder ziehen Strandschnecken, schmale die winzigen Wattschnecken, die mit ihren Raspelzungen die Algen regelrecht abgrasen.

Im ruhigen Wasser des Mischwatts fühlen sich die im Boden eingegrabene Platt- und Tellmuschel und die etwa 10 cm lange Sandklaffmuschel wohl; sie saugen die Algen mittels eines langen Saugrohres (Syphon) von der Oberfläche ab - diese Strategie nennt man Pipettieren.

Eine Etage darunter, in ca. 30 cm Tiefe, leben die "Sandfresser". Der Wattwurm lebt in einer U-förmigen Röhre; an einem Ende frißt er die Sedimente in sich hinein, verdaut die darin enthaltenen Nährstoffe und "entsorgt" den Sand am anderen Ende; an der Oberfäche erkennen wir die Röhrenenden als Trichter bzw. als Kothäufchen, die wie Spaghetti aussehen.
Ganz kunstvolle Wohnbauten klebt sich der Bäumchenröhrenwurm aus Sandkörnern und Muschelstückchen zusammen. Wir sehen davon die aus dem Boden ragenden Bäumchenkronen, durch die de Wurm seine Tentakel zum Nahrungsfang steckt.

Als Filtrierer leben Herz- und Miesmuscheln. Beide bilden große Kolonien. Herzmuscheln graben sich mit ihrem muskulösen Fuß tief ins Watt; Miesmuscheln siedeln -als einzige Muschelart- auf der Wattoberfläche. Gegen Verdriften durch die Strömung sichern sie sich mit festen Eiweißfäden (Byssusfäden): sie heften sich an Steine, Pfähle oder an die Schalen von Artgenossen und bilden so Muschelbänke. Jede Muschel filtert pro Stunde einen Liter Wasser. Ihre Kiemen halten davbei die Nahrungspartikel zurück - aber auch Schadstoffe. Gut für das Wasser, das so gereinigt wird; schlecht für die Muschel, in deren Körper sich die Giftstoffe anreichern. Ein Grund mehr, unsere Flüsse (die letztlich in Meer münden) und die Meere selbst sauberzuhalten.

Internationale Gäste im Watt !

Auf den Rippelmarken des Watts finden sich auch kleine, zarte Tritte und breite Watschelspuren. Sie stammen von den auffälligsten Nutznießern des Nahrungsreichtums im Watt: das sind die Wat- und Wasservögel. Hier rasten sie und "tanken" Energiereserven, auf ihrem langen Zug zwischen ihren Brutgebieten hoch im Norden und den Überwinterungsgebieten in südlichen Gefilden. Der Knutt legt im Mai, aus Afrika kommend, nach rund 6000 Flugkilometern bei uns eine Pause ein und versorgt sich für den Weiterflug nach Sibirien.

Jede Watvogelart hat sich durch die Länge und Form des Schnabels auf ihre jeweilige Lieblingsspreise spezialisiert - je nachdem, wie tief die Beute sich unter der Oberfläche verbirgt, ob ein weicher Wurm verspeist wird oder vor dem Genuß eine harte Schale zu knacken ist.

Wo erhalten Sie weitere Informationen?

Drei Informations-Zentren und zwölf Informations-Häuser an der Küste und auf den Inseln helfen Ihnen, sich im Nationalpark zurechtzufinden. Hier erhalten Sie u.a. Regionalkarten mit den im Nationalpark zugelassenen Wegen. Außerdem wird Ihnen eine Fülle von Informationen und Veranstaltungen angeboten.

Kur- und Gemeineverwaltungen halten ebenfalls Informationen für Sie bereit. Hier können Sie sich z.B. nach Wattwanderungen erkundigen.

Für das "Selbststudium" zuhause hier eine kleine Literaturauswahl zum Thema Watt:
1) Stock, M., Zucchi, H., et al.: Watt. Lebensraum zwischen Land und Meer. Verlag Boyens & Co., Heide 1995
2) Landesinst. Schleswig-Holstein f. Praxis und Theorie der Schule / Landesamt f. d. Nationalpark Schl.-Holst. Wattenmeer (Hrsg.): Tiere im Wattenmeer. Verlag Schmidt & Klannig, Kiel 1990
3) Lozàn, J.C., et al.: Warnsignale aus dem Wattenmeer. Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1994


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Alle Informationen entstammen diversen Publikationen der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.
Die Veröffentlichung auf diesen Seiten erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Nationalparkverwaltung.